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GET - Erfahrungen



„Damit Veränderung in Gang kommt,
bedarf es der Überzeugung,
dass ein Problem grundsätzlich
bearbeitbar ist.“

Ingrid Lukatis



 


26 Gemeinden aus 10 Landeskirchen


Insgesamt haben sich 26 Gemeinden aus 10 Landeskirchen an der GET-Projektdurchführung von 2001 – 2003 beteiligt. Von den beteiligten Gemeinden liegen 12 im ländlichen, 8 im kleinstädtischen, 2 im mittelstädtischen und 1 im großstädtischen Umfeld.
An fünf Orten fanden die Trainings für Trios statt. Die Projektgruppenmitglieder und weitere Externe arbeiteten als TrainerInnen für die Trios. Insgesamt 35 Begleiter und Begleiterinnen begleiteten und berieten die Gemeinden vor Ort.
In Zusammen mit dem Pastoralsoziologischen Institut in Hannover, Dr. Wolfgang Lukatis, wurde eine Fragebogenaktion von Oktober bis Dezember 2003 in den bei GET beteiligten Gemeinden durchgeführt. Wir wollten von den Trios, den GET-Mitgliedern und den BegleiterInnen wissen, welche Ergebnisse sie erreicht und welche Erfahrungen sie mit der Projektdurchführung gemacht haben. 24 Gemeinden, 208 GET-Mitglieder und 20 BegleiterInnen haben sich an der Umfrage beteiligt.
In einer ersten Auswertung wurde das umfangreiche Datenmaterial gesichtet. Es bildet die Grundlage für eine erste Bilanz.



Anlässe für eine GET-Beteiligung
Zunächst interessierten uns die Gründe, warum Gemeinden an GET teilgenommen haben.
Als stärkster Beweggrund wurde genannt, dass die eigene Gemeinde schon länger konzeptionell arbeiten wollte und das GET-Angebot mit seinen Schritten und Zielen passte (Ø 3,3 auf einer Skala von 1 - 5), zweitstärkster Anlass war die einladende Werbung für eine GET-Durchführung (Ø 3,1) und ein dritter die Umsetzung von Strukturveränderungen (Ø  2,8). Am wenigsten wurde davon ausgegangen, mit GET ein Konfliktfeld in der Gemeinde zu bearbeiten (Ø 2,1). Das entspricht der Intention von GET, denn dieses Projekt eignet sich nicht zur Bearbeitung von offenen und latenten Konflikten in einer Gemeinde.



Die Arbeit im GET
Eine Zusammenarbeit möglichst Verschiedener und ein verstärktes miteinander Arbeiten von Haupt- und Ehrenamtlichen gehören zu den „Essentials“ von GET. Bildete die Praxis der GET-Arbeit dieses Anliegen ab? Einen Eindruck gewinnt man beim Blick auf die GET-Zusammensetzung. Jedes GET hatte durchschnittlich 12 Mitglieder (die Spanne liegt zwischen 7 und 19 Mitgliedern). Im Durchschnitt waren davon je 1 – 2 Hauptamtliche, ca. 3 Kirchenvorstandsmitglieder, 4 – 5 bezeichneten sich als bisher in der Gemeinde engagierte Ehrenamtliche und 3 als bisher nicht engagierte Gemeindeglieder. In fünf GETs arbeitete je ein Nichtgemeindemitglied mit. 18,6 % der Beteiligten sagten von sich, dass sie bisher noch nie in der Kirche mitgearbeitet hätten. Das Durchschnittsalter der GET-Mitglieder lag bei 44 Jahren.



Der Einsatz für GET
Ein Prozess braucht Einsatz. Die Hauptarbeitslast lag auf den Trios, denn sie nahmen an drei Trainings und dem Nachfolgetreffen teil. Sie bereiteten die GET-Sitzungen vor und leiteten sie. Die GETs trafen sich während der 15 – 20 monatigen Projektzeit zwischen 7 und 30 mal (der Durchschnitt liegt bei 19 GET-Sitzungen). Die BegleiterInnen hatten im Durchschnitt 9 Kontakte mit den GETs im Gesamtumfang von Ø 23,4 Stunden.
Das allgemeine Urteil der GET-MitarbeiterInnen zum Gesamtprozess lautet: „Wir haben einen hohen Einsatz und Aufwand getrieben. Es war doch gut, dass wir es gemacht haben.“



Stand der Projektdurchführung und Projektverlauf
Was hat der Einsatz für GET nach eineinhalb Jahren an „vorzeigbaren“ Ergebnissen erbracht? Im Dezember 2003 (letzter Stand der Umfrage) hatten die GETs folgendes erarbeitet und durch die Gemeindeleitung beschließen lassen: ein Leitbild haben 92% der Beteiligten verabschiedet, konkrete Ziele für die Gemeindearbeit der nächsten Jahre haben 67% der Gemeinden im GET erarbeitet und  48% durch den KV beschließen lassen.  Ein oder mehrere neue Projekte für die Gemeindearbeit haben 58,4% im GET entwickelt und 46% im KV verabschiedet. Einen offiziellen GET-Abschluss hatten im November 2003 55% der beteiligten Gemeinden vollzogen.
Wie wurden die einzelnen Phasen des GET-Prozesses durch die Teilnehmenden beurteilt?
Am positivsten wurden die Leitbildentwicklung (ø von 4,4 bei einer Skala von 1 - 5) und der Visionstag (ø = 4,3) erlebt.

Einen ganz starken Impuls im gesamten Projektverlauf setzte der Visionstag. Die Öffnung der Arbeit, indem viele zur Mitarbeit eingeladen wurden, bewerten rund 81,9 % der GET-Mitglieder als sehr wichtig bzw. wichtig.



„Keiner von uns kann einen anderen davon überzeugen, dass er sich ändern soll.
Jeder von uns bewacht ein Tor zur Veränderung, das nur von innen geöffnet werden kann.“

M. Ferguson



Beispiele aus der GET-Praxis



Lugau ist eine Kleinstadt am Rande des Erzgebirges in Sachsen. 16 % der Einwohner gehören noch zur Ev.-Luth. Kirchgemeinde. Die Gemeindeerkundung führte zur Einsicht, dass der Gemeindegottesdienst eine gute Konstante ist und die Gemeinde über Ressourcen an Gebäuden verfügt, aber nur ungenügend wahrgenommen wird. Aufgrund der demografischen Entwicklung könnte sich bis 2032 die Gemeindegröße halbieren. Von dieser Ausgangslage her wurde als biblischer Leittext „Wir wollen lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat. 1.Joh. 4“ gewählt. Das Leitbild nimmt das auf und formuliert: „Weil wir Gottes Liebe erfahren haben, sollen Menschen ... in unserer Gemeinde christlichen Glauben erleben, vom äußeren Erscheinungsbild eingeladen werden, durch unser Reden und Handeln die Liebe Gottes kennen lernen.“ Als Ziel für 2004 möchte ein Team regelmäßige Gottesdienste in besondere Form erarbeiten und anbieten. Um dieses Ziel zu erreichen, wird eine neue Projektgruppe gebildet, die zunächst eine Fortbildung für Gottesdienstgestaltung besucht und dann die Planung und Gestaltung der besonderen Gottesdienste übernimmt. Ein Künstler hat ein Logo zum neuen Slogan der Gemeinde Lugau: „Jesus Christus: Liebe Erfahren Weitergeben“ entworfen.



Bärenstein ist eine Kleinstadt an der Grenze zu Tschechien. Der Kirchenvorstand wollte schon immer kirchliche Jugendarbeit anbieten. Bei der Gemeindeanalyse zeigt sich aber, dass in den letzten Jahren über 1000 Einwohner weggezogen sind – meist Familien und Jugendliche. Was bietet Perspektive in einer Situation des starken Schwundes? Das GET hat für die Gemeinde den Leittext: „Baut auch ihr euch als lebendige Steine zum geistlichen Hause. 1.Petr. 2“ vorgeschlagen. Am Visionstag wurde folgendes als Leitbild erarbeitet: Wir wollen eine Gemeinde sein, die in der Nachfolge Jesus steht, wachsam und lebendig bleibt... Wir wollen eine Gemeinde sein, in der Menschen mit ihren Begabungen lebendige Bausteine im Hause Gottes sind und die in den Ort hinein wirkt. Die Kursfassung drückt der Slogan: Hin zu Christus aus. Als Ziele stellt sich die Gemeinde den Aufbau eines  Besuchsdienstes, die Einrichtung einer Helferbörse für Ältere und sozial Schwache und die Verbesserung des Informationsflusses in der Gemeinde. Als konkretes Projekt auf zwei Jahre hin werden alle Senioren in der Gemeinde besucht.

Die stellvertretend beschriebenen zwei Beispiele stehen für eine Vielzahl von guten Ergebnissen und Erfahrungen in der GET-Arbeit der beteiligten Gemeinden.



Veränderung bringt Bewegung – strittige „Fälle“
In manchen Gemeinden ist der Prozess zum Stillstand gekommen bzw. entwickelten sich konfliktträchtige Situationen. Als Konfliktthemenbereiche haben die GETs angegeben: latente und offene Konflikte in der Gemeinde auf Grund: 1. diverser Frömmigkeits- und Bibelverständnisse; 2. divergierender Gemeindeverständnisse und Persönlichkeitsprägungen und 3. latenter und offener Konflikte unter MitarbeiterInnen. Zu Widerständen und Auseinandersetzungen kam es häufiger zwischen der PfarrerInnenschaft und den ehrenamtlichen MitarbeiterInnen besonders bei Fragen von selbständigem Arbeiten und der Festlegung von Arbeitsbereichen. Bei Fragen der Ermöglichung von zielorientiertem Handeln und Entscheiden durch die GET-Mitglieder (z.B. bei der Festlegung des Leitbildes und der Projekte) kam es zu Auseinandersetzung mit der Gemeindeleitung, die die Arbeitsergebnisse des GETs beschließen musste.
Prinzipiell gilt die alte Erfahrung: Veränderungen in Systemen erzeugen Widerstände.



Und was ist der Gewinn?
Auf die Frage, ob der  GET –Prozess ihre Erwartungen erfüllt habe, antworteten die meisten mit „zum Teil“ und „weitgehend“. GET-Mitglieder machten die Erfüllung ihrer Erwartungen an GET am stärksten fest an der Erreichung folgender Ziele: die Klärung ehrenamtlicher Mitarbeit (eine Vergewisserung der eigenen Kompetenz), die Ermöglichung zielorientierten Handelns in der Gemeinde und das Treffen kompetenter Entscheidungen. Für viele ist es ein ganz positives Ergebnis, dass für sie die Arbeitsfelder in der Gemeindearbeit deutlicher sind und Ziele für die zukünftige Arbeit gefunden wurden. Am wenigsten wurde eine zukünftige Entlastung der Hauptamtlichen, die besonders in Zeiten der Kürzungen und  Umstrukturierungen nötig wäre, genannt.



36 % der GET-Mitglieder gaben an, dass ihnen der ganze Prozess „mehr Lust auf Kirche“ gemacht hätte und 52 % der Befragten gaben an, dass ihr Zugehörigkeitsgefühl zur Kirche gestärkt sei.



Vielleicht beschreibt das Urteil eines Begleiters die Auswirkungen von GET in den Gemeinden am treffendsten: Ein Veränderungsprozess hat begonnen: klein, leise, aber unumkehrbar.



Johannes Bilz




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